Im Interview – Magdalena von Mansorah Atelier

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Magdalena

Magdalena kommt gerade aus der Uni, als ich mich zum Telefoninterview mit Ihr verabredet habe. Die 23-jährige studiert Ethnologie und wohnt in einem kleinen Kaff in Oberbayen, wie sie selbst sagt. Was sie einmal mit Ihrem Studium machen will, weiß sie noch nicht so genau.  Zurzeit arbeitet sie neben dem Studium in einer Konditorei und hat seit dem 10. April ihren kleinen Etsy-Shop Mansorah Atelier eröffnet. Hier bietet Magdalena einmal im Monat eine kleine Kollektion handgefertigter Traveler’s Notebooks an. Ihr Konzept ist, dass jede Kollektion nur wenige Stückzahlen umfasst und immer aus einem anderen Leder gefertigt ist. Warum das so ist und wie Magdalena überhaupt zum Planen und Kreativ-Sein mit und um Traveler’s Notebooks kam, erzählt sie uns im Interview.

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Magdalena, schön, dass du uns heute etwas über dich und deine Liebe zum Planen und Kreativ-Sein erzählen wirst. Meine erste Frage: Wie bist Du zum Planen gekommen?

(lacht) „Gute Frage. Also das war im Herbst 2014. Es war eine schwierige Phase, die ich dort hatte. Ich habe angefangen Tagebuch zu schreiben, vor allem im Moleskine. Während der Moleskine unterwegs zu mir war, habe ich Unboxing-Videos auf Youtube geschaut, weil man ja nicht warten kann. Darüber bin ich dann auf das Midori Traveler’s Notebook gestoßen und dachte mir am Anfang „Oh mein Gott, was ist das denn für ein riesen Ding. Damit kann man ja gar nichts anfangen, das ist ja völlig unpraktisch und wohin soll man das denn mitnehmen als Reisetagebuch?“ Ich hab das am Anfang noch nicht so ganz verstanden. Aber ja, nachdem ich das dann das erste Mal gesehen habe, war relativ schnell klar, dass ich eins haben wollte. Ich habe dann erstmal einen Midori in Passport-Größe bestellt. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass mir das zu klein ist und hab dann Regular gekauft. Und jetzt bin ich voll dabei.“

 

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Dann war das Midori Traveler’s Notebook dein erster Planer?

Mein erster Planer war das Moleskine Daily und ist es seit 2011 durchgehend gewesen. Ein Jahr habe ich mal ausgesetzt und habe es fürchterlich bereut, weil er mir echt gefehlt hat. Das ist so der Planer für mich. Meine Doris nehme ich mehr als Journal. Da war es dann der Midori Passport, den ich dann aber schnell wieder verworfen habe. Das erste richtige Journal war dann tatsächlich der Midori Regular in schwarz.

 

 

Du bist also von Anfang an im ringlosen System. Hast du jemals einen Ringplaner ausprobiert?

„Ich habe es mal ausprobiert und zwar bin ich von Moleskine zu ringlos im Januar 2015. Im Mai 2015 ungefähr habe ich dann mal Ringe ausprobiert. Ich hatte da einen Ringplaner von „The Bridge“. Dann habe ich selbst ein paar Ringplaner genäht, weil ich viele Sachen schon immer selbst gemacht habe, auch schon Traveler’s Notebooks. Kurzum, ich habs mal ausprobiert. Ich habe auch für meinen Shop momentan wieder einen Ringplaner, weil ich da die Flexibilität sehr mag. Für Kreativität spricht mich das Traveler’s Notebook mehr an. Filofax habe ich auch mal zwischendrin ausprobiert, in A5. Aber dazu kann ich irgendwie nicht so eine persönliche Beziehung aufbauen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, dass ich die Sachen mit Liebe nutze und sehr sehr gerne mag und sie nicht nur als Gebrauchsgegenstand sehe.“

 

IMG_0533Viele Planermädchen wechseln ja oft ihre Planer, das System oder die Größen. Wie sieht es bei dir aus? Wechselst du deine Planer häufig?

„Also ich persönlich wechsel jetzt tatsächlich nicht so viel. Vor allem innerhalb der Größe bleibe ich mir sehr treu. Ich nutze eigentlich ausschließlich A6 und Field Notes. Field Notes einfach, weil ich da mein Moleskine Pocket drin habe, den ich als Tagebuch verwende und das schon seit, moment ich schaue einmal nach (Anm.: Magadalena überlegt und blättert in ihrem Planer, der natürlich neben ihr liegt). Seit einem Jahr dieses eine. Ich bin kein Freund davon, ständig hin und her zu hüpfen und ständig etwas Neues auszuprobieren. Ich kann verstehen, wenn Leute das machen. Und das ist ja auch das Schöne an diesem Hobby, dass man da so viel ausprobieren kann, aber ich persönlich bleibe meinen Planern treu, die ich sehr mag und die mich überall mit hinbegleiten und die sich dementsprechend auch mit mir verändern und mit mir älter werden.“

 

Du würdest also sagen, du hast Deinen Planerfrieden gefunden?

(lacht und überlegt) „Also ich weiß nicht, ob es sowas wie Planerfrieden gibt. Aber ich würde sagen, dass bevor ich etwas Neues anfange, versuche alte Sachen zu Ende zu bringen. Dabei rede ich von Inserts. Dass ich meine Inserts eigentlich kaum austausche. Es gibt immer wieder tolles neues Leder und neue Modelle und viel neues auszprobieren. Ich überlege halt nur genau, bevor ich mir etwas neues anschaffe. Nein, dass ich Planerfrieden gefunden habe, würde ich nicht sagen. “

 

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Woher stammt denn deine Liebe zu Leder?

„Oh, das ist eine gute Frage. Eigentlich hat das schon früh mit dem Reitsport angefangen. Also ich reite ja eigentlich mein ganzes Laben lang schon. Und im Reitsport ist Leder absolut allgegenwärtig. Sättel, Trensen, Stiefel und alles mögliche an anderem an Equipment. Vor allem die Lederpflege ist ein großer Punkt, weil man seine Sachen, die man hat, sein Leben lang verwendet. So habe ich das zumindest gelernt. Wenn man ein Lederstück gut pflegt, dann hat man das sein Leben lang. Das mag ich einfach an Leder. Dass es dieses Echte, dieses Natürliche ist. Dass es wahnsinnig haltbar ist, alles mitmacht. Da rede ich natürlich jetzt von Leder mit guter Qualität. Da gibt es ja auch deutliche Unterschiede. Ich verstehe Leute, die Kunstleder aus Überzeugung nutzen, aber ich persönlich mag eben einfach das Echte.“

 

Hat jeder Deiner Planer eine eigene Aufgabe?

„Das Daily habe ich in meinem Dori. In meinem Chic Sparrow Mr. Darcy Buttered Rum in Field Notes wohlgemerkt. Der einzige, der nicht von mir ist. Und in meinem A6 habe ich alles drin, was mit Kreativität, mit Kopf frei kriegen zu tun hat. Also da ist alles drin, was persönlich ist.“

 

Hast du noch Hobbys außerhalb des Planens? Und mit welchem Hobby verbringst du wie viel Zeit?

IMG_8116„Mein Pferd natürlich. Meine Hobbys sind ausgewogen. Mit meinem Pferd Almansor verbringe ich ungefähr eine Stunde am Tag. Da mein Pferd schon 29 Jahre als ist und viel Freizeit auf der Koppel hat, gehen wir einfach nur noch ein bisschen spazieren. Und Planen, so richtig konzentriert vielleicht auch so eine Stunde. Wobei es auch nicht so richtig Planen ist. Planen mache ich um organisiert zu sein, aber Pretty Planning (Anm.: Das was wir landläufig Filofaxing nennen.) ist nicht meins. Dafür fehlt mir die Zeit. Und wenn ich irgendwas einmal schön gemacht habe, dann mache ich mir so einen inneren Druck, dass ich es immer wieder schön machen muss. Ich kann das nicht, dass ich eine Seite gut aussehen hab und dann eine Seite nur praktisch. Deshalb belasse ich es ganz einfach nur minimalistisch. Ich nehme auch immer nur den gleichen Stift in meinem Planer. Ich plane ohne viel Tamtam. Ich bin dann mehr so, dass ich in meinen Doris zeichne oder Tagebuch schreibe und das ist sehr stimmungsabhängig. Wenn es mal einen Tag gibt, der richtig gut oder richtig blöd war, dann kommt es vor, dass ich zwei Stunden lang alles ausmache und nur mit dem Planer auf dem Sofa sitze. Und dann gibt es ganz andere Tage, wo ich gar nichts auf die Reihe kriege und nur noch müde ins Bett falle. Aber es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht irgendwas im Planer oder Dori mache.“

 

Woher nimmst du deine Inspiration für deine Kreativität in deinen Planern?

„Viel aus dem Alltag und Geschichten, die das Leben so schreibt. Ich zeichne viele Situationen die im Alltag und in Urlauben passieren. Viel von Bildern. Zum Beispiel bin ich tagsüber am Strand von Kenia und zeichne dann abends im Hotelzimmer das Bild vom Strand. In meinen Kollektionen nehme ich meine Inspiration oft aus der Musik, vor allem Rap-Musik. „La Belle et le Bad Boy“ ist ein französischer Rap-Song. So habe ich dann meine erste Kollektion genannt.“

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Damit kommen wir zu deinem Shop Mansorah Atelier. Den hast du am 10. April eröffnet. Wie kamst du auf die Idee, einen Shop zu eröffnen?

„Ich habe mir ja eigentlich nie selbst Doris gekauft. Der einzige den ich mir gekauft habe, bevor der Chic Sparrow vor kurzem eingezogen ist, waren die beiden Midoris. Ich habe halt wirklich von Anfang an immer meine Planer selbst gemacht. Das hat damit angefangen, dass ich einfach ein Stück Leder bestellt, das dann zugeschnitten und daraus mein Travelers Notebook gemacht habe. Nur Gummis reingefädelt und hier und da noch etwas ausprobiert. Mit der Zeit wurde ich dann deutlich besser als am Anfang. Dann haben mich immer mehr Leute darauf angesprochen, ob man meine Sachen auch kaufen kann und wenn ja, wo. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben immer mehr Leute gesagt, dass ich die Sachen verkaufen soll. Letztendlich hat es mir immer so ein bisschen weh getan, zu sagen: „Nein ich verkaufe das nicht und nein, ich mache das nicht.“ Letztlich habe ich mich dann doch dazu entschlossen die Sachen zu verkaufen, weil die Leute sie schön fanden.“

 

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Du hast die Traveler’s Notebooks ja nicht erfunden. Da gibt es ja schon einige von auf dem Planermarkt. Hattest du Angst davor, dich mit den bereits bekannten Marken und deren Qualität messen lassen zu müssen?

„Jain. Ich denke, dass sowohl Pedori als auch Chic Sparrow einfach in einer komplett anderen Liga spielen. Chic Sparrow ist ja mittlerweile ein richtiges Unternehmen mit vielen Mitarbeitern und ist wahnsinnig gewachsen. Und auch Petra macht eine wahnsinnig fantastsiche Arbeit und macht das Ganze auch noch alleine. Ich denke, das ist ein ganz anderer Punkt, an dem die beiden stehen. Die machen das mittlerweile seit vielen Jahren. Ich habe meinen eigenen Stil und habe durchaus auch eine gute Qualität und sehe das gar nicht so als Konkurrenz. Es gibt so viele verschiedene Unternehmen in der Community, die alle eine Daseinsberechtigung und ihren Platz in der Community haben. Deshalb denke ich, kann man da ganz gut nebeneinander existieren.“

 

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Was ist bei dir anders als bei anderen Shops, die Traveler’s Notebooks anbieten?

„Für mich stand immer die Liebe zu meinen Sachen im Vordergrund. Da auch wirklich mein Herzblut reinzustecken, wenn ich die Sachen mache und ich hatte zunächst ein bisschen Angst davor, die Sachen zu kommerzialisieren. Deshalb biete ich auch immer nur so wenige Stückzahlen an. Das Konzept ist wirklich ein bisschen anders. Weder Custom Order, noch ein fester Bestand. Aber ich habe wirklich lange überlegt, wie ich das machen kann. Was ich bei meinem Konzept auch ganz schön finde, ist, dass ich Leder anbieten kann, die nicht als fester Bestand verfügbar sind. Gerade habe ich hier zwei Planer vor mir liegen, die ein wunderschönes Leder haben, die ich so auch noch nicht gezeigt habe. Von denen konnte ich aber wirklich nur ganz ganz kleine Stückchen bekommen und das Leder wird auch so nicht mehr verkauft. Und ich könnte dieses Leder zum Beispiel nicht als festen Bestand anbieten, aber eben in kleinen Mengen. So bekommt auch Leder, das es eben nur noch in kleinen Mengen gibt, noch eine Chance.“

 

Jetzt haben wir so viel über Planer und das Kreativ-Sein gesprochen. Es gibt ja aber noch viel mehr im Leben. Wenn Du dir eine Sache wünschen könntest, unabhängig von deinen Hobbys, was wäre das?

(überlegt etwas) “ Eine glückliche Zukunft für und mit den Menschen, die mir wichtig sind.“

 

Danke liebe Magdalena, für dieses sehr angenehme Interview.

Möchtet ihr mehr Interviews lesen? Habt ihr schon Ideen mit wem? Erzählt es uns gerne in den Kommentaren oder schreibt uns an.

Eure Daniela

 

Alle Bilder dieses Beitrags wurden von Magdalena zur Verfügung gestellt.

 

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